Medistus Digest und Newsletter

Um unsere Newsletter zu abonnieren, tragen Sie bitte einfach Ihre Email-Adresse unten ein. Sie werden eine Bestätigungsmail erhalten! Wählen Sie, ob Sie den wöchentlichen Digest mit unseren aktuellen Themen erhalten möchten und/oder in unregelmäßigen Abständen über Neuigkeiten aus unserer Redaktion informiert werden möchten.

 

 

independens critica editio

 
Random Article


 
Ticker aktuell
 

 
0
Erstellt am 29. Januar 2013 von fristau in
 
 

Lex Google – Diskusion um Leistungsschutzrechte

Verteidige Dein Netz - Leistungsschutzrechte fuer Verlage
Verteidige Dein Netz - Leistungsschutzrechte fuer Verlage

Morgen, am 30. Januar wird der umstrittene Entwurf des Leistungsschutzrechtes im Rechtsausschuss erörtert. Zeit, sich noch einmal Gedanken über das geplante Leistungsschutzrecht für Verleger zu machen.

Lex Google findet ohne Google statt

Die mittlerweile sogenannte “Lex Google” findet ohne Vertreter der Suchmaschine statt.

 

 

 

 

 

 

Der Diplom-Journalist und Blogger Stefan Niggemeier stellt fest: Die »Lex Google« wird ohne Google beraten

Es geht um ein Gesetz, das — nüchtern und neutral formuliert — vor allem das rechtliche Verhältnis zwischen Google und den Verlagen neu regeln soll. Und der Bundestagsausschuss, der darüber berät, lädt von den betroffenen Parteien nur eine ein? Beruft als Sachverständige zwei Verlagsvertreter, einen verlegerfreundlichen Journalistenvertreter und niemanden von Google?

Niggemeier hat die Frage einigen Parteienvertretern gestellt. Über die Antworten mag sich jeder selbts Gedanken machen.

Google verteidigt sich indess mit der Initiative “Verteidige Dein Netz“, was vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger – VDZ – (phantasievoll?) mit “Verteidige deine Presse” beantwortet wurde.

Dort werden die Argumente von Google aufgegriffen und sollen “dekonstruiert” werden. Zwar würde sich jeder Verlag “über Traffic von außen” freuen, es sei aber “nur fair, dass etwa Aggregatoren eine Lizenz brauchen, um ihre auf fremden Inhalten basierenden Geschäftsmodelle zu realisieren”.

Lizenz für Aggregatoren – GEMA für Zeitungs-Verleger

Eine “Lizenz für Aggregatoren”, welche angeblich Inhalte von Urhebern nutzen – das mutet an, wie die bei Musik-Verlegern bereits gelungenen Bemühungen, sich ein Urheberrecht selbst auf Microebene (Auszüge aus einem Werk) zu zu sichern. Die GEMA hat es vorgemacht – und weitet es immer weiter aus. Die “bösen Aggregatoren” (Diskotheken) werden bis an die Grenzen zur Kasse gebeten.

Und genau das geben die Verlage auch zu:

Die deutschen Verlage bekennen sich ausdrücklich zu Suche und Aggregation. Sie fordern lediglich ein eigenes Leistungsschutzrecht (wie es für die Musik- und Filmindustrie bereits existiert).

(VDZ – Verteidige deine Presse)

Die “Lex Google” betrifft nicht nur Google

Die Kommerzialisierung des Netzes – mancher mag schon angenommen haben, dieser Prozess sein abgeschlossen. Doch es geht noch mehr.

Nach den ersten Entwürfen sollen Blogger Pressetexte begrenzt gratis nutzen dürfen, wenn sie auf ihren Homepages und in Blogs journalistische Texte mit längeren Zitaten begrenzt benutzen.

Eigentlich ist das auch nichts neues – es existiert das Zitatrecht. Und so soll es wohl trotz Leistungsschutzrecht möglich bleiben, Passagen aus Presseerzeugnissen zu veröffentlicht, solange es in den Grenzen des Zitatrechts geschieht.
Solche ausfühlichen Zitate findet man zum Beispiel im Medien beobachtenden Bildblog.

Wozu also ein Leistungsschutzrecht, wenn es zum Beispiel mit dem Zitatrecht anerkannte Praktiken gibt?
Die Verleger haben vor allem Suchmaschinen, allen voran Google im Visier. Das Argument:

Auch Nachrichtenüberblicke mit Kurzauszügen aus Artikeln („Snippets“) richten Schaden an, wenn sie die Leser von den Verlagsseiten fernhalten.

Verleger wollen ihre Urheberrechte erweitern auf Bereiche, die ihnen bislang nicht zugänglich sind. Ähnlich wie Musik durch Rundfunk und Diskotheken ihre Hörer kaum erreichen würden, könnten die Verlage auch ihre Leser im WWW ohne Suchmaschinen und Verlinkungen fast nicht erreichen.

Doch zurück zu Webportalen und Blogs: Einmal mehr dürfen diese das Risiko der Rechtsunsicherheit tragen – denn was ist schon eine “begrenzte Nutzung”?
Besonders hart kann es aggregierende Medienblogs treffen. Ein sehr bekannter News-Aggregator ist Rivva.

Der von Frank Westphal entwickelte und betriebene Online-Dienst stellt seit 2007 einen Überblick über deutschsprachige Online-Medien (Verlags-Nachrichten und Blogs) zur Verfügung. ANgereichert werden die Artikel mit Social-Media-Daten (Twitter, Facebook, Google Plus) und so mehrmals täglich aktualisiert. Rivva ist zu einer Anlaufstelle geworden, bei der sich zum Beispiel Blogger einen Überblick über aktuelle Themen verschaffen. Als Rivva 2011 vom Netz genommen wurde (da der Betreiber kaum Geld damit veriente) war der Aufschreigroß – es fehlte einfach etwas. Aufgrund der vielen Nachfragen nahm Westphal den Dienst wieder ins Netz. Doch Rivva tut eigentlich nur eins: Rivva aggregiert.

Der Freisinger Rechtsanwalt und Blogger Thomas Stadler am 30. Januar als Sachverständiger im Bundestag angehört. Er stellt fest:

Das Gesetzesvorhaben würde – entgegen anderslautender Behauptungen – auch die Möglichkeit der Linksetzung und Auffindbarkeit von Inhalten im Internet erschweren.

(Lawblog)

Presse/Verlag ist ungleich Urheber

Nicht zu vergessen ist, dass der Urheber der Artikel ein Autor als Person ist. Auch hier gibt es also Parallelen zur GEMA. Inwieweit ein Leistungsschutzrecht den Autoren zu gute kommt, ist zunächst nicht geregelt. Zwar sind sie Angestellte im Verlag oder aber sie treten als freie Mitarbeiter gewisse Rechte an ihre Auftraggeber ab. Doch ihr Interesse – und die Ausrichtung ihrer auch als kreativ zu bezeichnenden Arbeit – ist auch, möglichst viele publzierte Artikel auffindbar zu machen.

Google hat mit dem “Prinzip Authorship” mit Google Plus bereits ein Instrument geschaffen, mit dem die Arbeit von Autoren gewürdigt werden kann.
Nun gehen immer mehr Verlage in ihren Online-Publikationen dazu über, dieses Prinzip zu nutzen. Möglicherweise zählt dann auch mehr, wer die besten Autoren für sich schreiben läßt.

Online-Publikationen nutzen also durchaus die Vorteile von Google und Co. – ja, sie profitieren davon. Die Forderung um Leistungsschutzrechte und Lizenzen ist also eine einseitige. Denn letztendlich müßten auch Google und Co. Gebühren dafür verlangen, dass Verlagsseiten gelistet werden, Besucher zu den Online-Publikationen geführt werden und Toold wie die Authorship eingesetzt werden dürfen.

Die Büchse der Pandora ist geöffnet – schöne neue Welt der Auge um Auge Kommerzialisierung.

Weitere Quellen

VN:F [1.9.22_1171]
Diesen Artikel bewerten:
Rating: 4.0/5 (2 votes cast)

Lex Google – Diskusion um Leistungsschutzrechte, 4.0 out of 5 based on 2 ratings


fristau

 
Avatar of fristau
Frank Ristau, Betreiber medistus.com, Chefredaktion.


0 Comments



Schreibe den ersten Kommentar


Hinterlasse eine Antwort

(required)